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Sage niemand, Nikosia könne sich nicht mit Berlin messen. Auch hier gibt es unvollendete Baustellen. Seit einem Jahrzehnt nun elaboriert die Hauptstadt, also die zyprische jetzt, mit ihrer zentralen Mitte herum. Anno 2005 gewann die Architektin Zaha Hadid mit ihrem Design den Zuschlag für die Gestaltung.

Entwurf Eleftheria Platz in Nikosia / Zypern

Seither kommt der Eleftheria-Platz nicht aus seinem provisorischen Baugruben-Zustand heraus. Mal waren es die in die Höhe geschossenen Kosten, die das Projekt ins Stocken geraten ließen (derzeit haben sie sich auf 30 Mio Euro angehäuft, einschließlich Landschaftsgestaltung und zweigeschossiges Untergrund-Parkhaus an der Omirou-Allee). Mal war es der Disput mit einem Kioskbesitzer, der partout nicht Platz machen wollte für die Bagger, mal waren archäologische Funde Schuld. Dann diskutierten Architekten und Bauunternehmen neun Monate lang über den Farbton des Betons für die Brückenpfeiler. Und die Baufirma gab die Arbeiten ab, nachdem die Verzögerungen die Kosten in die Höhe trieben und sie sich in einen Rechtsstreit mit der Stadtverwaltung verstrickte. Jedenfalls wurde der ursprüngliche Fertigstellungstermin, der im März 2013 sein sollte, schon zwei Mal verschoben. Der neue Bauausführer verspricht eine Fertigstellung für Juni 2016.

Für den zu erwartenden eindrucksvollen Vorher-Nachher-Effekt hat die Stadtverwaltung Nikosia jetzt schon mal eine Live-Cam installieren lassen. Derzeit ist das blaue Dixi-Klo auf dem staubigen Gelände in dem Stadtmauergraben allerdings noch das einzige architektonische Highlight weit und breit. Die Aufnahmen von dem Platz sollte RIK nachts als Einschlafhilfe senden.

Baustelle Eleftheria-Platz, Nikosia / Zypern

Die Baustelle: Freitag, 16. Oktober 2015, 16.53 Uhr

Baustelle Eleftheria-Platz, Nikosia / Zypern

Die Baustelle: Montag, 19. Oktober 2015, 09.03 Uhr

Baustelle Eleftheria-Platz, Nikosia / Zypern

Die Baustelle: Montag, 19. Oktober 2015, 09.41 Uhr

Die Stadtverwaltung will mit der Kamera das öffentliche Interesse für den Fortgang des Geschehens wecken. Aber ich finde, dazu sollte der Bürgermeister konsequenter die Marketing-Karte ziehen. Wie wäre es mit einer Info-Box wie weiland auf dem Potsdamer Platz? Die war von 1995 bis 2001 der eigentliche Besuchermagnet, solange das Filetgrundstück in Berlins Mitte noch in Schlamm und Baggerlärm versank. Und es scheint mir eine gute Investition eingedenk der Befürchtung, dass sich die Arbeiten wiederum länger als geplant hinziehen könnten.

Vielleicht hat aber der talentierte Mister Yiorkadjis auch nur ein probates, wenn auch nicht ganz faires, Mittel gefunden, um der Baufirma auf die Finger schauen zu können. Schließlich kann er jetzt jederzeit überprüfen, ob auf der teuren Baustelle direkt vor der Haustür der Stadtverwaltung geklotzt oder nur gekleckert wird.

Wenn dann kommendes Jahr (vielleicht) der neue Platz eingeweiht wird, sollte man die Live-Cam allerdings an Ort und Stelle belassen, die Linse putzen und sie mit Hightech ausstatten. Dann kann sie übertragen, wie sich die Passanten im Sommer bei sengender Hitze durch die gleißend-helle Betonwüste quälen. Sollte jemand kollabieren, setzt die Kamera automatisch einen Notruf an die Rettungszentrale ab. Und das blaue Klo könnte auch stehen bleiben, als Mahnung dafür, wohin ein städtebauliches Konzept gehört, das öffentlichen Raum flanierfeindlich macht.

Entwurf Eleftheria-Platz, Nikosia / Zypern

 

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