Schmeckt’s etwa nicht?

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Prost Mahlzeit! Drei Viertel der zyprischen Bevölkerung essen kein Frühstück mehr. Das haben zyprische Ernährungswissenschaftler herausgefunden. Haben die Leute keine Zeit – oder schmeckt es ihnen etwa nicht? Auweia! Das wäre dann aber eine äußerst destruktive Meldung. Versucht doch die Zyprische Tourismusorganisation (CTO) gerade, den ausländischen Gästen das einheimische Frühstück schmackhaft zu machen. Wie soll man denn da argumentieren, wenn die eigenen Leute die morgendliche Mahlzeit nicht mehr anrühren?

An und für sich ist es ja eine löbliche Initiative. Statt in den Hotels und in Restaurants mit dem English Breakfast zu werben, könnte tatsächlich ein Schild mit dem Hinweis auf authentisches lokales Frühstück ein Renner werden. In Paris nehme ich ja auch lieber ein Croissant mit Milchkaffee zum Start in den Tag oder in Lissabon einen Galão und eine Queijada. Der Unterschied ist nur, dass die Franzosen oder Portugiesen diese scheinbar stereotypen Speisen und Getränke tatsächlich noch zu sich nehmen. Aber die Zyprer essen offenbar gar kein Frühstück mehr, geschweige denn auf die gute alte Art.

Zyprisches Frühstück © The Royal Apollonia (official launch of the Cyprus Breakfast program in Limassol)

Vielleicht ist das traditionelle zyprische Frühstück, wie viele andere Bräuche, unter der Rubrik „das haben wir nicht mehr nötig“ abgelegt worden. Einstmals kam nämlich auf den Tisch, was auf dem Lande frisch im Garten wuchs oder selbst hergestellt wurde: Tomaten, Gurken, Oliven, Halloumi, Brot, Räucherfleisch und Obst. Einfach, gesund, nahrhaft. Natürlich nicht schick und weltgewandt, so wie die Zyprer es gern hätten. Erstaunlicherweise ist ihnen bei dieser Haltung der Appetit auf Räuberbraten (Kleftiko) und Fleischbrocken am Spieß (Souvla) noch nicht vergangen.

Zyprisches Frühstück © The Royal Apollonia (official launch of the Cyprus Breakfast program in Limassol)

So eine echte, typische Morgenmahlzeit habe ich nur zwei Mal hier in Zypern außerhalb der eigenen vier Wände genossen: Zum einen bei Frau Vassiliki in Agios Pavlos im Troodos bei der Recherche für unser Weinbuch (Jaha, Eigenwerbung!) Sie war gerade bei ihrem Morgeneinkauf, als wir sie baten, für uns als Fotomodell zu posieren. Anschließend fuhren wir sie samt vollen Tüten zu ihrem Haus ins Oberdorf und wurden von ihr zum Frühstück eingeladen. Dieses knackige Gemüse und das frische Landbrot mit Oliven an einem heißen Sommermorgen – köstlich! Ein anderer traditioneller Frühstückshimmel öffnet sich an den Wochenenden im Melandra House nahe Famagusta. Mustafa und Leyla, zwei türkisch-zyprische Flüchtlinge aus dem Süden, haben mit diesem Haus nicht nur ein lebendiges Volkskundemuseum errichtet. Sie servieren hier auch ihre kulinarischen Erinnerungen. Mein Favorit: Geröstete und mit Carobsirup getränkte Brotscheiben.

Zyprisches Frühstück © The Royal Apollonia (official launch of the Cyprus Breakfast program in Limassol)

Die CTO hat mit ihrer Kampagne also die Mammutaufgabe übernommen, nicht nur den Urlaubern Appetit auf zyprisches Frühstück zu machen, sondern erst einmal die Einheimischen davon zu überzeugen, dass sich die bewährte Morgenmahlzeit ihrer Vorfahren durchaus sehen lassen – und essen lassen – kann. Zunächst werden Köche und Servicepersonal geschult. Die einen, um das Frühstück zuzubereiten, die anderen, um darüber Auskunft geben zu können. Die Website „Cyprus Breakfast“ zeigt an, welche Hotels sich schon beteiligen und bietet sogar Zubereitungskurse samt Rezept. Mein Liebling auf dieser Liste: Brotaufstrich aus Tahini und Carobsirup.

Noch fehlt Zypern auf der Liste der weltweit typischen Frühstücke. Mal sehen, ob sich mit geeinter Kraft da was ändern lässt. Nicht etwa: “Trinken für den Frieden!” sondern “Mampfen für die Tradition!” Ich bin dabei!

 

Fotos © The Royal Apollonia (official launch of the Cyprus Breakfast program in Limassol); Beitragsbild © http://www.thanosdiaries.com/2013/11/15/lets-bake-classes-at-annabelle/

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