Mit „Likes“ zur Wiedervereinigung

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Hoffentlich ist die Sommer-Politiker-Nachrichtenpause bald vorbei! Sobald Nicos Anastasiades und Mustafa Akinci nicht Hand in Hand auf Pressefotos zu sehen sind, kriechen die Störenfriede aus ihren Löchern. Das Sommerloch bietet Platz für Mies– und Panikmacher. Auch die negativen Kommentare in den Zeitungsforen werden mehr, die positiven Posts bei Facebook & Co. weniger. Das Gesamtbild, das die Öffentlichkeit zu sehen und zu hören bekommt, verschiebt sich zugunsten der Vereinigungs-Bremsen und pathetischen Mahner.

Die waren es auch, die von Anfang an stänkerten, als die beiden Verhandlungsführer als freundschaftliche Partner bei nicht-offiziellen Anlässen auftauchten. Was solle es schon bringen, gemeinsam Kaffee zu trinken oder ins Theater zu gehen. Werde dadurch etwa das Zypern-Problem gelöst?

In gewisser Weise schon – glaubt man zumindest der soziologischen Theorie. „Spiegel online“ erläuterte dieser Tage das Modell der „Mehrheitsillusion“ anhand des Arabischen Frühlings. In Kurzform: „Wer gut vernetzt ist, kann anderen eine Massenbewegung vorgaukeln. Und plötzlich marschieren alle los.“

Kaffeetrinken

In Zypern geht das so: Seit Anastasiades und Akinci zusammen Kaffee trinken und sich sogar bei so kritischen Anlässen wie dem Jahrestag der türkischen Invasion in offiziellen Reden versöhnlich zeigen, wird Facebook von „Bravo sas!“-Bildern überflutet. Niemand muss in einer Statusmeldung selbst gegen Demagogie und politische Sturköpfigkeit Stellung beziehen und sich zum Angriffsziel machen. Es reicht, ein Bild zu teilen, das Bände spricht. So kommuniziert man seine eigene Haltung, ohne sie selbst aussprechen zu müssen. Man kann sich der aktuellen politischen Marschrichtung anschließen.

Wenn nun die Posts mit solch positiven Inhalten zunehmen bzw. zunehmend geteilt werden, verschiebt sich die öffentliche Meinung zugunsten der Friedensstifter. Mit einer solchen Rückendeckung wagen vielleicht noch mehr Menschen, ihre Pro-Solution-Haltung öffentlich zu äußern, ohne sich wie Helden fühlen zu müssen.

Und jetzt kommt der spannende Epilog: Die Theorie der „Schweigespirale“ hat schon vor dem digitalen Zeitalter die Dynamik der öffentlichen Meinung untersucht. Wiederum die Kurzform: Wenn eine Meinung in der öffentlichen Wahrnehmung von der Mehrheit vertreten wird, wird die Gegenmeinung leiser. Denn der Mensch äußert sich nicht gern gegen den Strom.

Es ist also möglich, mit ein paar Klicks auf Like-Buttons Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen – und damit auf die Stimmung im Land und auf politische Vorgänge. Denn das letzte Wort haben die Zyprer beim Referendum. Und die kreuzen das „Ja“ nur an, wenn der Wille zur Vereinigung da ist. Der wiederum stellt sich u.a. dadurch ein, wenn in einer positiven Atmosphäre im Lande Vertrauen gedeiht.

Das wäre doch mal ein Experiment wert! Alle Befürworter der derzeitigen Friedensverhandlungen posten, teilen und liken was das Zeug hält bi-kommunale Erfolgsmeldungen: Gruppentreffen, Konzerte, Demonstrationen, Absichtserklärungen, Liebesgeschichten, Zitate von Politikern etc.

Die sozialen Medien müssten überschwemmt werden mit guten Nachrichten, damit die schlechten untergehen und niemand mehr auf die Idee kommt, mit kleingeistigen Quengeleien und großmäuligen Hetzereien die Friedensbemühungen zu sabotieren.

Auf einen Versuch käme es an.

Findings collected by the University of Cyprus, University Centre for Field Studies; Grafik veröffentlicht in der Tageszeitung Politis am 23.8.15

Good news: Umfrage der University of Cyprus, University Centre for Field Studies; Grafik veröffentlicht in der Tageszeitung Politis am 23.8.15 – und geteilt auf FB

See this post in English: Aphrodite’s shade

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